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Stellungnahme des QUL

Stellungnahme des QUL zum kürzlich veröffentlichten zweifelhaften Test über Kindermatratzen:

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Der QUL e.V. unterstreicht die Bedeutung der Forschung zur Prävention des plötzlichen Kindstods. Als Qualitätsverband für umweltverträgliche Latexmatratzen unterstützt der QUL die Bemühungen in einer stetigen Produktoptimierung und begrüßt jeden Forschungsansatz, der dieses Ziel verfolgt.
Die jüngste Presseveröffentlichung der Babyhilfe Deutschland e.V. lässt jedoch bewusst den falschen Schluss zu, dass jede "Öko-Matratze" das Risiko für den plötzlichen Kindstod steigert.
In der durchgeführten Untersuchung wurden lediglich 3 Matratzen untersucht. Eine dieser Matratzen wurde aufgrund ihrer Zusammensetzung als "Öko-Matratze" charakterisiert. Der Begriff Öko ist nicht definiert und sagt insofern nichts über die Qualität oder die Zusammensetzung des Produkts aus. Der Hersteller und die Herkunft des geprüften Produkts werden zudem nicht genannt. Somit ist das Produkt nicht vergleichbar und die Aussage nicht unabhängig überprüfbar.
Der in den vergangenen Jahren in Deutschland festgestellte kontinuierliche Rückgang des plötzlichen Kindstods (seit 1992 auf ein Drittel) ist wesentlich auf die intensive Beratung der Eltern und auf eine Verbesserung der Produkte zurückzuführen. Folglich sind unter diesem Gesichtspunkt gute Produkte von schlechten zu unterscheiden. Öko ist ein nicht geschützter Begriff. Somit ist eine Ökomatratze ein nicht definiertes Produkt. Der Begriff "Öko-Matratze" ist also kein Qualitätsmerkmal, mit dem zwischen einer riskanten und einer sicheren Kindermatratze unterschieden werden kann. Öko ist ein Kriterium der Materialherkunft und der Reinheit und kein Kriterium für die Konstruktion. Die hier geprüfte Luftdurchlässigkeit ist jedoch konstruktionsbedingt. Es wurde lediglich ein einziges Produkt dieser Bauart mit zwei weiteren Produkten einer völlig anderen Bauart verglichen. Die Deklassierung einer ganzen Branche mit dem Begriff Öko-Matratze ist daher ungerechtfertigt und unzulässig.
Während die Zahl der plötzlich verstorbenen Kinder sinkt, stieg die Anzahl der verkauften Matratzen aus Naturrohstoffen. Aus medizinischer Sicht werden gerade die festeren Matratzentypen für Babys und Kleinkinder empfohlen, da hierdurch ein Einsinken des Kopfes vermieden wird.
Mit dieser Studie wird folglich keineswegs bewiesen, dass eine Matratze aus ökologischer Herkunft vermehrt zum plötzlichen Kindstod führt. Umgekehrt ist nicht erwiesen, dass eine Schaumstoffmatratze der geprüften Art den plötzlichen Kindstod verhindert. Zudem wird der Eindruck erweckt, als könne das Kind auf der "Bienenwabenmatratze" unbedenklich in der Bauchlage schlafen. Es existiert kein standardisiertes Prüfverfahren, um eine solche Aussage sicher und zweifelsfrei treffen zu können. Das hier vorgestellte Prüfverfahren ist die Entwicklung eines einzelnen Forschungsinstituts. Es wurde bisher keiner unabhängigen wissenschaftlichen Überprüfung zugänglich gemacht. Die getroffenen Schlussfolgerungen sind daher zu hinterfragen.

In der Fachliteratur werden sehr viele unterschiedliche Faktoren im Zusammenhang mit dem plötzlichen Kindstod diskutiert. Dazu gehören zum einen Rückstände aus der Produktion. Additive aus phosphororganischen Verbindungen oder Antimon-haltigen Verbindungen, auch als Flammschutzmittel bezeichnete Stoffe, haben möglicherweise durch das Freisetzen giftiger Gase ihren Anteil am plötzlichen Kindstod. Geprüfte Natur-Matratzen werden nach ökologischen Gesichtspunkten aus unbehandelten und rückstandsfreien Materialien hergestellt und garantieren damit, dass es nicht zu Vergiftungen kommt. Ein ganz wesentlicher Faktor für die Begünstigung des plötzlichen Kindstods ist die Bauchlage. Kommt es zu dieser ungünstigen Schlafposition, ist die Einsinktiefe des Kopfes ein weiteres wichtiges Kriterium. Die Bauchlage wird generell als Risikofaktor angesehen. Insofern ist der Eindruck, als könne man mit einer speziellen Matratze unbedenklich die Bauchlage empfehlen, unbedingt zu vermeiden. All diese Faktoren wurden in der genannten Studie nicht berücksichtigt.

Der QUL unterstützt jegliche Aktivitäten, die unter Berücksichtigung aller Risikofaktoren zu einer Produktoptimierung führen. Schnellschüsse der hier kritisierten Art sind jedoch kontraproduktiv und verwirren den Endverbraucher eher. Zudem verhindern sie eine interdisziplinäre Forschung.

 

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